Verhaltenstherapie: Schein und Wirklichkeit. Teil 1: «Christoph-Dornier-Klinik habe ich mitgemacht, seitdem bin ich pleite»

Zwischen 1997 und 2001 erreichten die Redaktion Psychotherapie Zuschriften ehemaliger Patienten einer damals vielgerühmten Angstklinik. Sie berichten dasselbe: teuer, begleitet, erfolglos. Eine Patientin beschreibt darin genau jenen Vorgang, den die verhaltenstherapeutische Konfrontationsforschung erst sieben Jahre später als Irrtum ausweisen sollte — und sie nennt nebenbei das zuverlässigste Erkennungszeichen einer misslungenen Angstbehandlung: «Nach den Übungen konnte ich mich nie über meinen Erfolg freuen.»

Was eine Patientin sieben Jahre vor der Forschung wusste

Im Juni 2001 schrieb eine Frau an die Redaktion, die 1996 wegen einer Angststörung auf die Christoph-Dornier-Klinik in Münster aufmerksam geworden und dort stationär behandelt worden war. Ihr Bericht enthält drei Sätze, die man einzeln lesen sollte, weil jeder von ihnen einen Befund vorwegnimmt, den die Forschung damals noch nicht formuliert hatte.

Der erste Satz gibt wieder, was man ihr als Wirkprinzip erklärt hatte: «Durch den Habituationseffekt würde mein Körper lernen, dass es sich nicht um eine gefährliche Situation handelt.» Habituation heisst Gewöhnung. Gemeint ist die Erwartung, dass die körperliche Erregung von selbst abfällt, wenn man lange genug in der gefürchteten Situation bleibt, und dass mit ihr die Angst geht. Der Bericht von 2001 bezeichnet diesen Satz als die für die Patientin wesentlichste Instruktion ihrer Psychotherapie.

Im Jahr 2008 sichtete eine Arbeitsgruppe um Michelle Craske die Befundlage zu genau dieser Annahme und kam zu einem Ergebnis, das der damaligen Praxis die Grundlage entzog: Weder das Ausmass, um das die Angst innerhalb einer Übungsstunde abfällt, noch die Angsthöhe am Ende der Stunde sagen den Behandlungserfolg voraus.1 Was ihn voraussagt, ist die Widerlegung einer Erwartung — ein Vorgang im Denken, nicht im Körper.2 Der Satz, den man dieser Patientin als Arbeitsgrundlage mitgab, ist sieben Jahre nach ihrem Brief von der Forschung als Arbeitsgrundlage zurückgezogen worden.

Der zweite Satz beschreibt, was sie in den Übungen tatsächlich tat: «Ich habe die Angstsituationen immer nur ausgehalten, indem ich mich gedanklich über die Zeit gerettet habe.» In heutiger Terminologie hat sie damit ein Sicherheitsverhalten beschrieben — eine Massnahme also, die im Augenblick beruhigt und den Betreffenden genau deshalb um die Erfahrung bringt, auf die es ankäme. Dass dies nicht Theorie ist, wurde experimentell geprüft: Patienten, die während einer Konfrontation ihr Sicherheitsverhalten aufgaben, verloren ihre Katastrophenüberzeugungen deutlich stärker als jene, die es beibehielten.3

Damit steht die ganze Tragik dieser Behandlung in zwei Zeilen. Die Frau absolvierte die Übungen — und tat währenddessen genau das eine, was ihre Übungen wirkungslos macht. Sie tat es nicht aus Widerstand, sondern weil ihr niemand gesagt hatte, was sie eigentlich lernen sollte. Und niemand hatte es ihr sagen können, weil zuvor nicht geklärt worden war, was sie überhaupt befürchtete — also keine kognitive Analyse und Vorbereitung erfolgte.

Der dritte Satz ist der wichtigste, und er wird regelmässig überlesen: «Nach den Übungen konnte ich mich nie über meinen Erfolg freuen, sondern beschäftigte mich bereits mit der nächsten Angstübung.» Hier steht das Erkennungszeichen. Wer eine eigene Überlegung nachprüft und bestätigt findet, empfindet Genugtuung; wer eine Zeitspanne im Alarmzustand übersteht, empfindet Erschöpfung. Die ausbleibende Freude ist deshalb kein Charakterzug der Patientin, sondern eine Auskunft über die Behandlung.4

Was die Briefschreiber früher wussten als ihre Behandler

Bemerkenswert an diesen Zuschriften ist, dass die Absender keine Fachleute waren und den Fehler dennoch klar benannten.

Ein Leser schrieb im Januar 2001, er habe seine Behandlung abgebrochen, «weil bei der Konfrontation mit der schlimmsten Angstsituation angefangen wurde. Auf kognitiver Ebene wurde nicht therapiert.» Er nennt damit zwei Dinge und hält das erste für den Vorwurf. Der Vorwurf steht jedoch im zweiten Satz. Mit der schlimmsten Situation zu beginnen ist nämlich kein Fehler, sondern das effizientere Vorgehen: Wer seine Angst nicht mehr bekämpft, weil er verstanden hat, dass sie das Produkt seiner Denkfehler ist und ihm deshalb nichts anhaben kann, braucht die kleinen Zwischenstufen nicht und verliert mit ihnen nur Zeit. Vorausgesetzt ist dabei allerdings genau das, was hier unterblieb. Ohne kognitive Analyse und Vorbereitung ist jeder Schritt zu gross, auch der kleinste; mit dem richtigen Denken ist keiner zu gross. Ein anderer Leser fragte schlicht: «Was mache ich falsch?» — und erhielt darauf, wie er berichtet, keine befriedigende Antwort.

Der nachstehende Bericht formulierte daraus bereits 2001 einen Massstab, der sich seither nicht geändert hat: Bei Phobien sowie Angst- und Panikstörungen ohne hinreichende kognitive Vorbereitung primär auf die Reizkonfrontation zu setzen, ist ein häufiger und folgenschwerer Fehler. Die damals befragte Fachärztin Carmen Heerdegen benannte in ihren Kommentaren zu dem zweiteiligen Erfahrungsbericht5,6 das Gütekriterium: Gute Psychotherapeuten messen sich daran, wie weit sie es vermocht haben, die Klienten aus ihren Problemen herauszuführen und zu kompetenten Psychotherapeuten für sich selbst zu machen, damit diese den Weg des Erfolges auch allein weiter gehen können.

Dieser Massstab ist keine Geschmacksfrage. Er folgt aus dem Wirkmechanismus: Wenn das Wirksame an der Konfrontation die Widerlegung einer Überzeugung ist, dann muss der Patient wissen, welche Überzeugung geprüft wird — sonst hat er die Situation zwar betreten, aber nichts erfahren. Dieses Wissen ist zwingend aus einer vorausgehenden Analyse seiner Kognitionen zu erwerben, über die der Patient durch die kognitive Psychotherapie die Kontrolle und Steuerung zu übernehmen lernt, um seine Angst- und Panikstörung selbst heilen zu können.7

Was von diesem Text gilt und was nicht

Drei Einschränkungen gehören an den Anfang, nicht ins Kleingedruckte.

Erstens sind Leserzuschriften keine Stichprobe. Wer schreibt, ist unzufrieden; wer geheilt wurde, schreibt selten an eine Redaktion. Die Redaktion hat das 2001 selbst festgehalten, und es gilt unverändert. Was sie damals nachdenklich machte, war nicht die Zahl der Zuschriften, sondern der Umstand, dass zu keiner anderen Einrichtung eine vergleichbare Menge eintraf.

Zweitens beschreibt der Text die Jahre 1996 bis 2002. Die genannten Einrichtungen haben sich seither verändert, wie sich jede Einrichtung in einem Vierteljahrhundert verändert. Über ihren heutigen Zustand sagt dieses Dokument nichts, und es soll auch nichts darüber sagen. Die Stellungnahme, zu der sich die Klinik im November 2002 veranlasst sah, ist im Text wiedergegeben.

Und drittens ist der polemische Ton von 2001 stehengeblieben — einschliesslich der Hunde, der Toilettenfrau und der Tölpel. Er gehört in seine Zeit und wird hier nicht nachträglich geglättet.

Was von diesem Text bleibt, ist deshalb nicht das Urteil über eine einzelne Psychotherapie-Klinik. Es ist die Antwort auf die Frage, warum diese Behandlung scheitern musste. Eine Reizkonfrontation wirkt nicht dadurch, dass der Patient sich an die Angst gewöhnt, sondern dadurch, dass sich eine bestimmte Befürchtung als falsch erweist. Wer aber nie ausgesprochen hat, was genau er befürchtet, kann auch nicht erleben, dass es nicht eintrifft; ihm bleibt von der Übung nichts als die Anstrengung. Deshalb ist die kognitive Arbeit am Denken kein freundliches Vorgespräch, das man auch weglassen könnte, sondern derjenige Teil der Behandlung, der die Übung überhaupt erst wirksam macht. Und bestätigt hat diese Schlüsselfunktion der kognitiven Arbeit nicht die Gegenseite, sondern die verhaltenstherapeutische Konfrontationsforschung selbst — dieselbe Forschungsrichtung, aus der die hier geschilderte Praxis stammt.

Quellen

1 Craske, M.G.; Kircanski, K.; Zelikowsky, M.; Mystkowski, J.; Chowdhury, N.; Baker, A.: Optimizing inhibitory learning during exposure therapy. Behaviour Research and Therapy, 2008, 46(1), 5-27. doi.org/10.1016/j.brat.2007.10.003. [Im Original S. 5: «neither the degree by which fear reduces nor the ending fear level predict therapeutic outcome».]

2 Craske, M.G.; Treanor, M.; Conway, C.C.; Zbozinek, T.; Vervliet, B.: Maximizing exposure therapy. An inhibitory learning approach. Behaviour Research and Therapy, 2014, 58, 10-23. doi.org/10.1016/j.brat.2014.04.006.

3 Salkovskis, P.M.; Clark, D.M.; Hackmann, A.; Wells, A.; Gelder, M.G.: An experimental investigation of the role of safety-seeking behaviours in the maintenance of panic disorder with agoraphobia. Behaviour Research and Therapy, 1999, 37(6), 559-574. doi.org/10.1016/S0005-7967(98)00153-3. [n = 18, fünfzehnminütige Konfrontation, Wiederholung des Verhaltenstests innerhalb von zwei Tagen.]

4 Luchmann, D.: Warum kognitive Psychotherapie der Angst Freude macht. Psychotherapie. 08.08.2026. [Siehe dort die ausführliche Auswertung des in Teil 2 und Teil 3 dokumentierten Behandlungsverlaufs.]

5 Mayer, H.: Verhaltenstherapie: Schein und Wirklichkeit. Teil 2: Erfahrungsbericht über Konfrontationsbehandlung bei Agoraphobie und Panikattacken. Psychotherapie. 31.12.2001.

6 Mayer, H.: Verhaltenstherapie: Schein und Wirklichkeit. Teil 3: «Dann hole ich den Leichenwagen». Psychotherapie. 31.12.2001.

7 Luchmann, D.: Was ist kognitive Psychotherapie?. Psychotherapie. 22.07.2026.


Ein Zeitdokument von 2001

Dieser dreiteilige Artikel über die Psychotherapie (Verhaltenstherapie) von Angst- und Panikstörungen sowie Phobien mit der Methode der Reizkonfrontation (englisch: exposure; in der massierten Form: flooding) erschien zuerst am 31.12.2001 in der Zeitschrift Psychotherapie; der Nachtrag stammt vom 14.11.2002. Der Text wird im Original wiedergegeben — einschliesslich der damaligen Zahlenangaben, Währungen, Rechtschreibung, Begrifflichkeit und polemischen Schärfe. Die Namen der Briefschreiber wurden bereits 2001 zu deren Persönlichkeitsschutz geändert. Der Bericht bildet den Kenntnisstand der Jahre 1996 bis 2002 ab und enthält keine Aussage über den gegenwärtigen Zustand der genannten Einrichtungen.

Psychotherapie-Kliniken als teure Illusion: Verhaltenstherapie an der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie Münster

Verhaltenstherapie: Schein und Wirklichkeit — «Christoph-Dornier-Klinik habe ich mitgemacht, seitdem bin ich pleite». Teil 1 der dreiteiligen Artikelserie.

Von Gottlieb Seelen

Zeitschrift PSYCHOTHERAPIE

Das Wirtschaftsmagazin wusste es genau. «Millionen Menschen haben Angst. Sie warten jahrelang auf Heilung. Dabei kann eine Verhaltenstherapie 80 Prozent der Kranken in wenigen Tagen helfen», schreibt Magnus Heier in CAPITAL: «Im günstigsten Fall eine Woche Therapie trennen einen durch Angst vor der Angst für das Leben untüchtigen Menschen von einem ganz normalen Leben - vorausgesetzt, er bekommt die richtige Behandlung.» Doch die ist nicht einfach zu erlangen - auch nicht bei den vermeintlichen Top-Kliniken, deren Namen die Autoren immer wieder voneinander abschreiben.

In Deutschland gibt es neben den Ärzten mit Psychotherapie-Titel allein über 25.000 approbierte Psychologische Psychotherapeuten, von denen etwa die Hälfte als sozialrechtlich zugelassene oder ermächtigte Mitglieder von Kassenärztlichen Vereinigungen in eigener Praxis niedergelassen ist. Selbst wenn von den Psychologischen Psychotherapeuten nur 1.000 - ganze vier Prozent - wirklich gut genannt zu werden verdienen, ist es abwegig, Psychotherapie-Kliniken wie die der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie in Marburg - CDS - als Vorbild hinzustellen: Teuer und erfolglos nennen Patienten ihre dortige Therapie.

Aber so, wie bekanntlich jede Minute ein neuer Tölpel geschaffen wird, wird es immer genug Leute geben, die alles glauben, was in der Zeitung steht. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob Leser durch die Lektüre dieses Wirtschaftsmagazins reich geworden sind. Auf jeden Fall sollen sie nach der eigenwilligen Auffassung des für den Bereich Modernes Leben bei CAPITAL verantwortlichen Redakteurs Heier in der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie - CDK - in Münster ganz schnell angstfrei werden. Und zwar so: «Gut ist, was Angst macht. Besser, was mehr Angst macht. Den ersten Eindruck bekommt der Besucher der Dornier-Klinik in einem etwa fünf Quadratmeter großen Raum: von außen verschlossen, ohne Licht und ohne Fenster - allein. Hier verfallen viele, die unter Angststörungen leiden, in Panik. Aber das ist nur das Vorspiel» (CAPITAL, 1/2002).

Ein Vorspiel, wozu? In der Redaktion PSYCHOTHERAPIE erinnern wir uns, seit Jahren immer wieder E-Mails und Briefe von Menschen erhalten zu haben, die naiven und blauäugigen Presse- und TV-Berichten über die Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie in Marburg und deren Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster gefolgt sind - und teuer dafür bezahlt haben.

Um überhaupt eine Diagnose genannt und ein therapeutisches Angebot unterbreitet zu erhalten, müssen Interessenten in der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster eine zweitätige stationäre Eingangsdiagnostik absolvieren, die 635,64 Euro kostet. Die Beherbergung schlägt dabei zusätzlich mit dem Pflegesatz von 203,49 Euro pro Tag zu Buche. Vor Beginn der stationären Therapie wird zudem eine Vorauszahlung von 2.556,46 Euro gefordert. Die Klinik, die jedoch lediglich «eine nach § 30 der Gewerbeordnung konzessionierte Privatkrankenanstalt» ist, besitzt keine Verträge mit den gesetzlichen Krankenkassen, Rentenversicherungsträgern und berufsgenossenschaftlichen Unfallversicherungen. Bei vielen Patienten, deren Versicherer die Kosten nicht erstatten, die sich mit den gesondert berechneten therapeutischen Leistungen leicht auf einen fünfstelligen Betrag summieren, klafft hinterher ein großes Loch in der Haushaltskasse.

Eine Suche im Posteingang der PSYCHOTHERAPIE-Redaktion fördert aus mehreren Jahrgängen ausschließlich Mails zutage, in denen Leser berichten, diese Art der Verhaltenstherapie als desaströs oder gar ruinös erfahren zu haben. Natürlich kann diese Auswahl, aus der wir hier zitieren, nicht als repräsentativ betrachtet werden. Es macht uns jedoch sehr nachdenklich, dass wir zu keiner anderen Klinik eine vergleichbare Menge an Zuschriften enttäuschter Patienten erhalten haben.

Teuer und erfolglos: Patienten über die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster

«Ich habe einen Waschzwang und unterziehe mich momentan, nach einer gescheiterten Verhaltenstherapie im Christoph-Dornier-Zentrum in Münster einer psychoanalytischen Therapie», schrieb Juliane König* am 14.11.1997 und bat um Rat. Wir rieten von der für Zwangserkrankungen bekanntlich ungeeigneten Psychoanalyse ab und empfahlen, bessere Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen, die mit kognitiver Verhaltenstherapie arbeiten.

Carsten Beyer* fragte am 30.09.1999: «Ich bin 26 und habe diese verfluchte Angst nun neun Jahre. Gibt es irgend eine Chance für mich, da herauszukommen? Christoph-Dornier-Klinik habe ich mitgemacht, seitdem bin ich pleite dazu. Für einen kleinen Tipp wäre ich Ihnen sehr dankbar!»

Am 27.11.2001 berichte Stefan Rummel*: «Seit ca. 12 Jahren leide ich an einer sozialen Phobie. Verschiedene Therapieversuche blieben bislang erfolglos. Vor einigen Jahren habe ich aus lauter Verzweiflung eine Konfrontationstherapie im Christoph-Dornier-Zentrum in Münster gemacht, leider ohne Erfolg. Seitdem ‚bewältige‘ ich meine täglichen Probleme, wie z. B. Einkaufen und Ämtergänge, mit Alkohol.»

Verzweifelt schrieb auch Klaus-Dieter Koch* am 22.01.2001 an PSYCHOTHERAPIE: «Ich leide unter Agoraphobie und Panikattacken. Habe vor einigen Jahren eine Therapie in der Christoph-Dornier-Stiftung abgebrochen. Weil bei der Konfrontation mit der schlimmsten Angstsituation angefangen wurde. Auf kognitiver Ebene wurde nicht therapiert. [...] Ich würde gerne endlich aus diesem Teufelskreis der Angst rauskommen und eine Therapie machen, die mir hilft!»

Rita Stark*, die ihre Angststörung bereits vergeblich bei einem Psychoanalytiker zu heilen versuchte, schilderte uns ihre bestürzenden Erfahrungen am 17.06.2001: «Im Jahre 1996 hörte ich von der Christoph-Dornier-Klinik in Münster und war gleich begeistert von der Möglichkeit, gemeinsam mit einem Therapeuten an meinen Ängsten in der Praxis zu arbeiten. Der Therapeut versprach mir nach dem Aufenthalt eine unbegrenzte Mobilität und garantierte mir eine neue verbesserte Lebensqualität. Im Anschluss an die Eingangsdiagnostik wurde mein Behandlungsplan mit den Übungen zusammengestellt, die ich alle zunächst in Begleitung und anschließend alleine durchgestanden habe. In der CDK erklärte man mir, [...] durch den Habituationseffekt würde mein Körper lernen, dass es sich nicht um eine gefährliche Situation handelt. Ich war während der Therapie und auch im Anschluss an den Aufenthalt sehr motiviert, in Angstkonfrontations-Übungen zu gehen. Aber was habe ich tatsächlich gelernt?

Ich habe die Angstsituationen immer nur ausgehalten, indem ich mich gedanklich über die Zeit gerettet habe. Meine Gedanken gehen dann in die Richtung, dass ich hoffentlich bald wieder zu Hause bin, oder andere Dinge machen kann, dass ich nur die Angstzeit überbrücken muss. Nach den Übungen konnte ich mich nie über meinen Erfolg freuen, sondern beschäftigte mich bereits mit der nächsten Angstübung. Es gab einige Übungen bei denen ich anschließend gesagt habe, das mache ich nie wieder. Die Angst ging nie wirklich herunter, oft erreichte sie auch nur bis zu einem gewissen Grad Minderung, es war immer ein Prozess des Aus- und Gegenhaltens. Ich habe bei keiner Übung die Kontrolle verloren, was für mich sehr wichtig ist. Nach dem stationären Aufenthalt in der CDK hat man mir gesagt, dass ich bisher nicht den gewünschten Erfolg erzielt hätte, weil ich meine Gefühle nicht loslassen könnte und meine Geschichte doch zu chronifiziert sei. [...] Ich vermied kontinuierlich immer mehr Situationen und habe heute den Vermeidungslevel wie vor dem CDK-Aufenthalt erreicht. Von der Person her bin ich ein sehr leistungsorientierter Mensch, der im Grunde genommen auf alle angstauslösenden Dinge viel Lust verspürt. Meine Angst vor der Angst ist immer noch riesig, derzeit kann ich nur mit großen Ängsten das Haus verlassen, ich bin arbeitsunfähig und stehe vor der Berufsunfähigkeit.»

Gute Psychotherapie löst individuelle Denkfehler auf

Es ist bemerkenswert, wie leichthin offenbar - um nicht zu sagen: verantwortungslos - dieser Patientin von den Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Klinik in Münster «eine unbegrenzte Mobilität» versprochen und «eine neue verbesserte Lebensqualität» garantiert wurde. Tatsächlich findet sie sich laut eigener Aussage nach der Behandlung «vor der Berufsunfähigkeit» wieder.

Erfahrene kognitive Psychotherapeuten können aus dem Bericht der Rita Stark* eine Reihe von Therapiefehlern herauslesen, zu denen in typischer Weise gehört, dass mit der Patientin offenkundig nicht in dem erforderlichen Maße kognitiv gearbeitet wurde, sondern dass sie einfach in ihre Angstsituationen gestellt wurde, um die Panik - als ob es bei ihr um eine Hundedressur ginge - «ausklappern» zu lassen: «Durch den Habituationseffekt würde mein Körper lernen, dass es sich nicht um eine gefährliche Situation handelt», schildert die Patientin die für sie wesentlichste Instruktion ihrer Psychotherapie. Ihre Denkfehler und die psycho-physiologischen Zusammenhänge mit ihrer Angststörung scheinen ihr hingegen nicht verständlich gemacht worden zu sein. Deshalb konnte sie weder bei den Übungen mit noch ohne Psychotherapeuten einen Erfolg erreichen.

«Gute Psychotherapeuten holen Klienten mit ihren Problemen dort ab, wo sie sich befinden. Und gute Psychotherapeuten», erläutert die Fachärztin und Psychotherapeutin Carmen Heerdegen aus Stuttgart, «messen sich daran, wie weit sie es vermocht haben, die Klienten aus ihren Problemen herauszuführen und zu kompetenten Therapeuten für sich selbst zu machen, damit diese den Weg des Erfolges auch allein weiter gehen können».

Hiervon ist bei den vorliegenden Berichten ehemaliger Patienten der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie und der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie wenig zu erkennen. Vielmehr stehlen sich die am Anfang so vollmundigen Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Klinik im Falle der Rita Stark* mit der unglaublichen und unakzeptablen Begründung aus der Verantwortung, dass die «Geschichte doch zu chronifiziert sei». Richtig ist wohl vielmehr, dass die Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie mit ihrer Habituation nicht in der Lage waren, die individuellen Denkfehler ihrer sehr motivierten Patientin aufzulösen und sie zum Therapieerfolg zu führen.

Inzwischen ist allgemein bekannt, dass Phobien sowie Angst- und Panikstörungen sehr gut und erfolgreich behandelbar sind. So wolle der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die diesbezügliche, ungerechtfertigte Frühpensionierung von Beamten eindämmen, berichtete die Berliner Tageszeitung B.Z. am 25.07.2001 auf Seite 4: Gerade bei «Phobien dränge sich der Verdacht auf, so Körting ‚dass private Vorgutachter den Fall in eine bestimmte Richtung drängen, die man mit einer Nachbegutachtung durch den Amtsarzt kaum noch korrigieren kann‘».

Ein weiterer Leserbrief erreichte PSYCHOTHERAPIE am 04.09.2001 von Helmut Mayer* mit der Frage: «Was mache ich falsch? Habe letzten Herbst und in diesem Frühjahr eine Verhaltenstherapie bei der Christoph-Dornier-Stiftung in Marburg durchgeführt, die aber letztendlich auch nicht zum Erfolg geführt hat. Leide seit 15 Jahren an Agoraphobie, die sich so ausdrückt, dass ich mein gewohntes Umfeld nicht weiter als ca. 400-500 Meter verlassen kann, ohne dass diese Angst wieder auftaucht. Ich bin mit den Therapeuten auch durch meine Angst hindurch gegangen. Nun stehe ich wieder da, wo ich vorher auch war, nur mit der Kenntnis, dass man solche Situationen schaffen kann. Wenn ich jetzt aber telefonischen Kontakt aufnehmen will, sind beide Therapeuten nicht mehr im Institut tätig. Ist schon komisch. Mir wäre auch ein wirklich erfahrener Therapeut lieber gewesen, der sich vielleicht ein wenig mehr Zeit für die spezielle Problematik eines Patienten genommen hätte. Nun muss ich wohl oder übel alleine meine Therapie fortsetzen, und ob ich das schaffe, weiß ich nicht. Wäre für gute Ratschläge sehr dankbar.»

Ausführlich hat Helmut Mayer* in einem einzigartigen Dokument für PSYCHOTHERAPIE die Entwicklung seiner Angststörung und die deprimierenden Erfahrungen geschildert, die er mit der teuren, aber erfolglosen Therapie bei zwei vermutlich überdies unerfahrenen Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie aus Marburg gemacht hat. Er hat PSYCHOTHERAPIE explizit erlaubt, diesen sehr ehrlichen Bericht über seine «Verhaltenstherapie mit der Christoph-Dornier-Stiftung [...] zu veröffentlichen. Es ist mein Bestreben, auch anderen Patienten mit Angststörungen behilflich zu sein.» Obwohl Helmut Mayer* sogar mit der Nennung seines richtigen Namens einverstanden gewesen wäre, haben wir zu seinem Persönlichkeitsschutz dennoch davon abgesehen.

«Patientenrecht auf Antwort» — Kognitive Verhaltenstherapie

Auf seine Frage, «Was mache ich falsch?», hat Helmut Mayer* von den beiden Psychotherapeuten der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie offenbar keine befriedigende Antwort erhalten. Was allerdings nicht überrascht, denn «auf kognitiver Ebene wurde nicht therapiert», klagen auch andere ehemalige Patienten der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie. Dabei ist es ein häufiger und fataler Fehler, bei Phobien sowie Angst- und Panikstörungen ohne hinreichende kognitive Vorbereitung primär auf die Reizkonfrontation zu setzen! Solche brutalen Holzhammer-Techniken aus der Vergangenheit der Verhaltenstherapie sind im Zeitalter kognitiver Psychotherapie zwar noch für Redakteure gut, die ein paar dramatische Fernsehbilder oder eine aufregende Story suchen, aber sie sind sachlich nicht mehr angemessen. Bei einer kunstgerechten kognitiven Psychotherapie vermögen auch Patienten mit langjährigen Phobien oder Angst- und Panikstörungen ihre Problemsituationen in der absolut überwiegenden Zahl der Fälle ohne therapeutische Begleitung und ganz unaufregend allein bewältigen - dauerhaft erfolgreich.

Das beliebte Beispiel, welches CAPITAL zitiert, auch Johann Wolfgang von Goethe mit seiner Höhenangst «stieg auf den Turm des Straßburger Münsters und blieb so lange oben, bis die Angst verschwunden war», übersieht, dass bei dem großen Weimarer Denker zuvor ein unabdingbar notwendiger individueller Erkenntnisprozess stattgefunden hat, der heute als kognitive Vorbereitung bekannt ist und durch geeignete psychotherapeutische Unterstützung sehr komfortabel intensiviert werden kann. Anwendung finden hierbei psychologische Techniken, die zielgerichtet fehlerhaftes Denken (engl.: Cognition) bewusst machen und korrigieren helfen, weshalb von kognitiver Psychotherapie gesprochen wird. Die schlichte Dienstleistung, sich wie einen tollwütigen Hund lediglich eine Weile allein in einen Raum «ohne Licht und ohne Fenster» einsperren zu lassen, wird man bei fast jeder Toilettenfrau für einen Euro sehr viel billiger bekommen.

Ein sehr begabter Hund kann bis zu 50 Wörter mit bestimmten Handlungen verbinden. Bei allem, was an Fähigkeiten oder Verhalten darüber hinaus geht, zumal bei weniger begabten Hunden, bedarf zum Erfolg der sprachfreien Konditionierung. Anders als bei manchen Redakteuren, hat sich bei vielen Zeitgenossen mittlerweile herumgesprochen, dass der höher entwickelte Mensch mit seinem Denkvermögen und seiner hoch differenzierenden Sprache, die keinesfalls den gesamten Wortschatz eines Goethe-Wörterbuches zu umfassen braucht, einer subtileren Steuerung als der brutalen Konditionierung zugänglich ist, die Iwan Petrowitsch Pawlow erstmals an dem klassisch gewordenen Reflex-Experiment der «Pawlowschen Hunde» vor über 100 Jahren demonstrierte.

Pawlowsche Hunde — Psychotherapie-Kompetenz des BDP?

Als bemerkenswerter Warnhinweis könnte vor diesem Hintergrund der vom Briefkopf bis zum Eingangsfragebogen in die Unterlagen der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie Münster gedruckte Hinweis betrachtet werden, dass der Betrieb «mit Beteiligung und Unterstützung des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP)» erfolgt. Wer dessen vom Verband der Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP - kurz: VPP im BDP - betriebenes Psychotherapeutenforum gelegentlich besucht hat, dem dürfte das dort von BDP-Psychotherapeuten vorgeführte Selbstverständnis jegliches Verlangen nach einer Psychotherapie bei «Experten» nehmen, deren kulturelle Konditionierung scheinbar bei Pawlows Hunden stehen geblieben ist und deren kommunikative Kompetenz darin gipfelt, sich innerhalb von weniger als 20 Beiträgen 12 Mal wechselseitig als «Scheißkerle» bzw. «Scheisskerle» zu titulieren.

BDP-Psychotherapie-Forum: Psychologen als Scheisskerle oder Scheißkerle?

Ausschnitt aus dem Forum des Verbandes Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VPP im BDP), dokumentiert am 31.12.2001.

Das Werbefaltblatt der Christoph-Dornier-Klinik Münster für Patienten mit Angststörungen ist - hierzu nicht unpassend - überschrieben mit dem Ausruf: «Ich halte das nicht aus! Ich muss hier weg!» Ein erschreckter Aufschrei, der ebenso von einem Besucher stammen könnte, der dieses Forum von BDP-Psychologen gestreift hat, deren «Beteiligung und Unterstützung» sich die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie rühmt.

Trotz der Enttäuschung, die Helmut Mayer* mit der von der Christoph-Dornier-Stiftung für Klinische Psychologie praktizierten simplen Habituierung (Gewöhnung) und Konditionierung erfahren hat, kann auch er bei einem guten Psychotherapeuten mit kognitiver Verhaltenstherapie seine Angsterkrankung noch überwinden lernen. Dann werden seine Angst und die erfolglose «Reizkonfrontation» der Psychotherapeuten aus der Christoph-Dornier-Stiftung für ihn ein Spuk in der Vergangenheit sein.

Um den selbst Betroffenen, den Angehörigen und besonders den vielen psychotherapeutischen Laien unter unseren Lesern beim Verständnis dieses ausführlichen Erfahrungsberichtes zu helfen, hat PSYCHOTHERAPIE die Fachärztin Carmen Heerdegen gebeten, die Schilderung des ehemaligen CDS-Patienten zu kommentieren und therapeutische Hintergründe zu erläutern.

Carmen Heerdegen ist Fachärztin für Neurologie und niedergelassene Psychotherapeutin in Stuttgart. Aus ihrer ambulanten Erfahrung weiß sie: «Kognitive Verhaltenstherapie kann Phobien sowie Angst- und Panikstörungen in über 90 Prozent aller Fälle in weniger als 12 Stunden dauerhaft heilen.» In einem Beitrag in PSYCHOTHERAPIE vom 30.06.2001 erklärte sie, bei «richtiger Diagnostik gibt es überhaupt keinen Grund, Menschen mit Phobien bzw. mit einer Angststörung in eine Klinik einzuweisen oder mit Medikamenten zu behandeln.» Tatsächlich werde heute an der Angststörung als der zweithäufigsten psychischen Erkrankung in allen Bereichen des Gesundheitswesens deshalb so prächtig verdient, weil sie so konsequent falsch behandelt wird.

Sogar schwere Phobien, Angst- und Panikstörungen sind ohne Psychotherapie-Kliniken erfolgreich ambulant zu heilen

In dem CDK-Faltblatt zum «Behandlungsangebot der Christoph-Dornier-Klinik für Menschen mit Angststörungen» werden nach «Erstgespräch und Diagnostik», die bereits rund 1.000 Euro kosten, regelhaft «zwei bis drei Wochen stationäre Intensivtherapie» als erforderlich suggeriert - mit «am Anfang 6 bis 10 Stunden täglich, zunächst mit direkter therapeutischer Betreuung». Wen die anschließende «sechswöchige Selbstkontrollphase» immer noch nicht zum Erfolg geführt hat, dem wird mit der «Möglichkeit einer zwischenzeitlichen Auffrischungsbehandlung in der Christoph-Dornier-Klinik» ein Weg gewiesen, die Kosten weiter in die Höhe treiben.

Dabei bedarf eine effiziente Psychotherapie heute keiner teuren Klinik! Insbesondere bei den durch kognitive Verhaltenstherapie ambulant mit überragendem Erfolg behandelbaren Angst- und Panikstörungen, Sozialphobien und spezifischen Phobien sowie Zwangsstörungen und Depressionen braucht Psychotherapie regelhaft weniger als 1.500 Euro zu kosten. Und keineswegs - wie bei der Christoph-Dornier-Klinik - mit rund 10.000 bis 15.000 Euro das Zehnfache! Wenn man alles glaubt, was in der Zeitung steht, kann die unsinnige Orientierung im Wirtschaftsmagazin CAPITAL, bei Angst- und Panikstörungen in die Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie zu gehen, richtig viel Geld kosten - abgesehen von der Gesundheit.

Den Vogel schießt CAPITAL-Autor Heier mit der gefährlichen Empfehlung ab, sich bei psychischen Problemen dem Hausarzt anzuvertrauen: «Konkret führt der Weg zur Heilung auf jeden Fall zum Hausarzt.» Spätestens seit Hans-Ulrich Wittchen am 25.06.2001 die Ergebnisse der weltgrößten Studie zur hausärztlichen Versorgung bei Angststörungen und Depressionen (GAD-P) am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München vorstellte, ist die Untauglichkeit des Hausarzt-Besuches bei psychischen Störungen bekannt. Der Weg zum Hausarzt ist vielmehr als der folgenreichste und teuerste Fehler anzusehen, den man bei Angst- und Panikstörungen begehen kann - um möglichst lange krank zu bleiben und zu einem chronischen Behandlungsfall zu werden. 558 stichprobenartig ausgewählte Ärzte sowie über 20.000 Patienten wurden im Rahmen der GAD-P-Studie ausführlich befragt. Das erschreckende Ergebnis: Ärzte erkennen nur jede dritte Angststörung und behandeln diese zudem überwiegend falsch!

Konkret führt der Weg zur Heilung auf jeden Fall bei psychischen Problemen nicht über die Lektüre eines Wirtschaftsmagazins, zum Hausarzt oder gar zu einer überflüssigen Psychotherapie-Klinik, sondern zu einem qualifizierten niedergelassenen kognitiven Psychotherapeuten. Der ergreifende Erfahrungsbericht, den wir nachfolgend wiedergeben, soll dafür sensibilisieren, Presse- und TV-Berichte grundsätzlich kritischer zu hinterfragen.

Nachtrag vom 14.11.2002 — Christoph-Dornier-Klinik: «Dies ist bedauerlicherweise wahr»

Nachdem PSYCHOTHERAPIE am 31.12.2001 über die bemerkenswerte Diskrepanz berichtete, die zwischen der grandiosen Selbstdarstellung der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Presse und Fernsehen und den tatsächlichen und erschütternden Misserfolgen besteht, über die ehemalige Patienten der Christoph-Dornier-Stiftung und deren Christoph-Dornier-Klinik in Münster immer wieder berichten, sah sich die Christoph-Dornier-Klinik im November 2002 auf das «vielfache» Drängen «von Patienten und Zuweisern» zu einer offiziellen Stellungnahme veranlasst:

«Nicht allen Patienten der CDK konnte in der Vergangenheit geholfen werden. Dies ist bedauerlicherweise wahr.»

Christoph-Dornier-Klinik Münster Erklärung vom November 2002.

Trotz eigenem Pressedienst benötigte die Christoph-Dornier-Klinik in Münster über zehn Monate «Bedenkzeit» bis zu diesem öffentlichen Eingeständnis, das nach deren eigener Aussage nur durch «vielfältige Anregungen von Patienten und Zuweisern» herbei geführt wurde. Diese feine Umschreibung dafür, dass erst der öffentliche Druck einen Blick hinter die brüchige Marketing-Fassade der Christoph-Dornier-Klinik ermöglichte, lässt den erstaunlichen Mangel an Selbstkritik und Selbstreflexion bei den CDK-Psychotherapeutinnen und -Psychotherapeuten deutlich werden.

Für Klienten der Christoph-Dornier-Klinik Münster und der Christoph-Dornier-Stiftung mit Niederlassungen in Berlin, Braunschweig, Köln, Marburg, Münster, Siegen und Tübingen, ist diese teure Ernüchterung eine wahrhaft erschreckende Expositionstherapie. Wer der aggressiven Medienarbeit der Christoph-Dornier-Stiftung erlegen ist und dort erfahrene psychotherapeutische Profis erwartet, wird tatsächlich regelmäßig mit jungen Psychologinnen und Psychologen konfrontiert, die wenig kosten und sich selbst - zum Teil am Psychologischen Institut der örtlichen Universität - noch in der Ausbildung befinden.

PSYCHOTHERAPIE wird an dem Thema dranbleiben und über die Kluft zwischen Schein und Wirklichkeit in der Psychotherapie weiter aufklären - für mehr Qualität in der psychotherapeutischen Versorgung.

Lesen Sie den Bericht über die zweimalige erfolglose Psychotherapie bei der Christoph-Dornier-Stiftung Marburg in Teil 2 und Teil 3.

*Name aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

Publiziert am 31.12.2001, Nachtrag vom 14.11.2002.

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